Mathe-Abitur Vorbereitung
Stochastik Abitur Aufgaben mit Lösungen: 5 Übungsaufgaben (NRW)
Du suchst Stochastik Abitur Aufgaben mit Lösungen, die dem entsprechen, was in der Prüfung wirklich drankommt? Ich bin Niru, Mathe-Tutor bei MatheCode, und ich habe dir fünf klausurtypische Aufgaben zusammengestellt – vom Baumdiagramm bis zum Hypothesentest, jede mit einer Schritt für Schritt durchgerechneten Lösung, plus eine Bonus-Aufgabe zum Erwartungswert einer allgemeinen Zufallsgröße. Mein Tipp: erst selbst rechnen, dann vergleichen. Die Theorie dahinter findest du kompakt in meinem Überblick Stochastik im Abitur erklärt.
Kurz gesagt: Die Stochastik im Abitur dreht sich fast immer um vier Bausteine: Pfadregeln, bedingte Wahrscheinlichkeit, Binomialverteilung und Hypothesentest. Die wichtigste Formel ist
P(X = k) = (n über k) · p^k · (1 − p)^(n − k)mit Erwartungswertμ = n · pund Standardabweichungσ = √(n · p · (1 − p)). Wer diese vier Aufgabentypen sicher rechnet, holt die meisten Stochastik-Punkte.
Formelübersicht: Das brauchst du für alle Aufgaben dieses Artikels
| Thema | Formel | Typische Aufgabe |
|---|---|---|
| Produktregel | P(Pfad) = p₁ · p₂ · … | Wahrscheinlichkeit entlang eines Pfades |
| Summenregel | P(E) = P(Pfad 1) + P(Pfad 2) + … | Mehrere Pfade führen zum Ereignis |
| Bedingte Wahrscheinlichkeit | P(A∩B) / P(B) für A gegeben B | Vierfeldertafel |
| Binomialverteilung | P(X = k) = (n über k) · p^k · (1 − p)^(n − k) | Genau k Treffer |
| Erwartungswert (Binomialverteilung) | μ = n · p | Wie viele Treffer im Schnitt? |
| Standardabweichung | σ = √(n · p · (1 − p)) | Sigma-Regeln, Streuung |
| Erwartungswert (allgemeine Zufallsgröße) | μ = x₁ · P(X = x₁) + x₂ · P(X = x₂) + … | Wertetabelle, „Ist das Spiel fair?” |
| Unabhängigkeit prüfen | P(A∩B) = P(A) · P(B) | Zusatzfrage zur Vierfeldertafel |
Aufgabe 1: Baumdiagramm und Pfadregeln
Aufgabe: In einer Urne liegen 3 rote und 2 blaue Kugeln. Es werden nacheinander zwei Kugeln ohne Zurücklegen gezogen. Berechne die Wahrscheinlichkeit, dass (a) beide Kugeln rot sind und (b) genau eine Kugel rot ist.
Lösung:
Schritt 1 – Baumdiagramm aufstellen. Erste Stufe: P(rot) = 3/5, P(blau) = 2/5. Zweite Stufe ohne Zurücklegen: Nach einer roten Kugel bleiben 2 rote von 4, also P(rot|rot) = 2/4; nach einer blauen bleiben 3 rote von 4, also P(rot|blau) = 3/4.
Schritt 2 – Teil (a) mit der Produktregel. Entlang des Pfades rot–rot multiplizieren: P(rot, rot) = 3/5 · 2/4 = 6/20 = 3/10 = 0,3.
Schritt 3 – Teil (b) mit der Summenregel. “Genau eine rote” heißt: Pfad rot–blau oder Pfad blau–rot. P = 3/5 · 2/4 + 2/5 · 3/4 = 6/20 + 6/20 = 12/20 = 0,6.
Alle Grundlagen zum Zeichnen findest du im Artikel zum Baumdiagramm mit Pfadregeln.
Aufgabe 2: Vierfeldertafel und bedingte Wahrscheinlichkeit
Aufgabe: An einer Schule mit 200 Schülern besitzen 120 ein Tablet (T). 90 der Tablet-Besitzer nutzen die Mathe-App (A); insgesamt nutzen 110 Schüler die App. (a) Erstelle die Vierfeldertafel. (b) Ein Schüler ohne Tablet wird zufällig ausgewählt – mit welcher Wahrscheinlichkeit nutzt er die App? (c) Ein App-Nutzer wird zufällig ausgewählt – mit welcher Wahrscheinlichkeit besitzt er ein Tablet?
Lösung:
Schritt 1 – Vierfeldertafel ausfüllen. Gegeben sind 200 gesamt, 120 mit Tablet, 90 mit Tablet und App, 110 App-Nutzer gesamt. Der Rest ergibt sich durch Differenzen: 120 − 90 = 30, 110 − 90 = 20, 80 − 20 = 60.
| App (A) | keine App | Summe | |
|---|---|---|---|
| Tablet (T) | 90 | 30 | 120 |
| kein Tablet | 20 | 60 | 80 |
| Summe | 110 | 90 | 200 |
Schritt 2 – Teil (b). Bedingung “kein Tablet” heißt: Wir teilen durch die Zeilensumme 80. P(A|kein T) = 20/80 = 0,25, also 25 %.
Schritt 3 – Teil (c). Jetzt ist die Bedingung “App-Nutzer”, geteilt wird durch die Spaltensumme 110. P(T|A) = 90/110 = 9/11 ≈ 0,818, also rund 81,8 %. Beachte: Das ist nicht dasselbe wie P(A|T) = 90/120 = 0,75 – die Richtung der Bedingung entscheidet.
Schritt 4 – Zusatzfrage: Sind Tablet-Besitz und App-Nutzung unabhängig? Diese Frage wird gern drangehängt, weil sie zeigt, ob du den Unterschied zwischen “bedingt” und “unabhängig” verstanden hast. Für Unabhängigkeit müsste P(T) · P(A) = P(T∩A) gelten. Es ist P(T) = 120/200 = 0,6 und P(A) = 110/200 = 0,55, also P(T) · P(A) = 0,6 · 0,55 = 0,33. Tatsächlich ist aber P(T∩A) = 90/200 = 0,45. Da 0,33 ≠ 0,45, sind Tablet-Besitz und App-Nutzung nicht unabhängig – wer ein Tablet besitzt, nutzt die App überdurchschnittlich oft.
Aufgabe 3: Binomialverteilung – P(X = k) konkret berechnen
Aufgabe: In einer Gummibärchen-Mischung sind erfahrungsgemäß 30 % der Bärchen rot. Du ziehst zufällig 20 Bärchen. Die Zufallsgröße X zählt die roten. Berechne (a) P(X = 5) und (b) die Wahrscheinlichkeit, mindestens 3 rote zu ziehen.
Lösung:
Schritt 1 – Verteilung erkennen. Fester Umfang n = 20, konstante Trefferwahrscheinlichkeit p = 0,3, nur “rot oder nicht rot”: X ist binomialverteilt, X ~ B(20; 0,3).
Schritt 2 – Teil (a) mit der Bernoulli-Formel. P(X = 5) = (20 über 5) · 0,3^5 · 0,7^15. Einzeln: (20 über 5) = 15504, 0,3^5 = 0,00243, 0,7^15 ≈ 0,00475. Zusammen: P(X = 5) ≈ 15504 · 0,00243 · 0,00475 ≈ 0,179, also rund 17,9 %.
Schritt 3 – Teil (b) über das Gegenereignis. “Mindestens 3” rechnest du über das Gegenereignis: P(X ≥ 3) = 1 − P(X ≤ 2). Der Taschenrechner (binomcdf) liefert P(X ≤ 2) ≈ 0,0355, also P(X ≥ 3) ≈ 1 − 0,0355 = 0,9645 – rund 96,5 %.
Aufgabe 4: Erwartungswert und Sigma-Regel
Aufgabe: Ein Glücksrad gewinnt mit Wahrscheinlichkeit p = 0,2. Es wird 100-mal gedreht; X zählt die Gewinne. (a) Bestimme Erwartungswert und Standardabweichung. (b) Gib das Intervall an, in dem die Anzahl der Gewinne mit etwa 95,4 % Wahrscheinlichkeit liegt.
Lösung:
Schritt 1 – Kennwerte berechnen. μ = n · p = 100 · 0,2 = 20 und σ = √(n · p · (1 − p)) = √(100 · 0,2 · 0,8) = √16 = 4.
Schritt 2 – Sigma-Regel anwenden. Wegen σ = 4 > 3 ist die Laplace-Bedingung erfüllt, die Sigma-Regeln dürfen benutzt werden. Für rund 95,4 % gilt das 2σ-Intervall: [μ − 2σ; μ + 2σ] = [20 − 8; 20 + 8] = [12; 28].
Schritt 3 – Antwortsatz. Die Anzahl der Gewinne liegt mit etwa 95,4 % Wahrscheinlichkeit zwischen 12 und 28.
Aufgabe 5: Einseitiger Hypothesentest (Grundkurs-Niveau)
Aufgabe: Ein Hersteller behauptet, höchstens 10 % seiner Bauteile seien defekt. Ein Händler vermutet mehr Ausschuss und prüft eine Stichprobe von n = 100 Teilen auf dem Signifikanzniveau α = 0,05. Bestimme den Ablehnungsbereich und entscheide für den Fall, dass 17 defekte Teile gefunden werden.
Lösung:
Schritt 1 – Hypothesen aufstellen. Nullhypothese H₀: p = 0,1 (Behauptung des Herstellers), Gegenhypothese H₁: p > 0,1. Der Händler testet rechtsseitig; unter H₀ gilt X ~ B(100; 0,1).
Schritt 2 – Ablehnungsbereich bestimmen. Gesucht ist das kleinste k mit P(X ≥ k) ≤ 0,05, gleichwertig P(X ≤ k − 1) ≥ 0,95. Aus der kumulierten Binomialverteilung: P(X ≤ 14) ≈ 0,9274 (reicht nicht) und P(X ≤ 15) ≈ 0,9601 (reicht). Also k = 16 und der Ablehnungsbereich ist A = {16; 17; …; 100}.
Schritt 3 – Irrtumswahrscheinlichkeit angeben. P(X ≥ 16) = 1 − 0,9601 = 0,0399, also rund 4 % – das ist die Wahrscheinlichkeit, H₀ fälschlich zu verwerfen (Fehler 1. Art).
Schritt 4 – Entscheidung. In der Stichprobe sind 17 Teile defekt. Wegen 17 ≥ 16 liegt das Ergebnis im Ablehnungsbereich: H₀ wird verworfen. Die Daten sprechen auf dem 5-%-Niveau dafür, dass die Ausschussquote über 10 % liegt.
Bonus-Aufgabe: Erwartungswert einer allgemeinen Zufallsgröße
Nicht jede Stochastik-Aufgabe im Abitur ist binomialverteilt. Sobald eine Zufallsgröße mehrere unterschiedliche Werte mit eigenen Wahrscheinlichkeiten annimmt (z. B. ein Gewinn in Euro), brauchst du die allgemeine Formel für den Erwartungswert – nicht μ = n · p.
Aufgabe: Bei einem Glücksrad-Spiel ist der Gewinn X (in Euro) wie folgt verteilt: P(X = −2) = 1/2, P(X = 1) = 1/3, P(X = 5) = 1/6. Berechne den Erwartungswert und beurteile, ob das Spiel fair ist.
Lösung:
Schritt 1 – Wertetabelle prüfen. Die Wahrscheinlichkeiten einer Zufallsgröße müssen sich zu 1 addieren: 1/2 + 1/3 + 1/6 = 3/6 + 2/6 + 1/6 = 6/6 = 1. Passt – X ist eine gültige Verteilung. Anders als bei der Binomialverteilung gibt es hier keine feste Formel für die Wahrscheinlichkeiten, sie müssen aus der Aufgabe gegeben oder hergeleitet sein.
Schritt 2 – Erwartungswert berechnen. Mit μ = x₁ · P(X = x₁) + x₂ · P(X = x₂) + x₃ · P(X = x₃) ergibt sich: μ = (−2) · 1/2 + 1 · 1/3 + 5 · 1/6 = −1 + 1/3 + 5/6 = −6/6 + 2/6 + 5/6 = 1/6 ≈ 0,17.
Schritt 3 – Beurteilen. Ein Spiel ist fair, wenn der Erwartungswert genau 0 ist. Hier ist μ ≈ 0,17 € ≠ 0, also ist das Spiel nicht fair – im Mittel gewinnt der Spieler pro Runde etwa 17 Cent. Zum Vergleich: Der Erwartungswert ist der gewichtete Durchschnitt aller möglichen Werte, ähnlich wie der Mittelwert einer Datenreihe der ungewichtete Durchschnitt aller Messwerte ist – nur dass hier jeder Wert mit seiner Eintrittswahrscheinlichkeit statt mit „einmal vorgekommen” gewichtet wird.
Häufige Fehler meiner Schüler
Fünf Klassiker kosten immer wieder Punkte: Erstens wird bei der bedingten Wahrscheinlichkeit durch die falsche Summe geteilt – P(A|B) und P(B|A) sind fast nie gleich. Zweitens fehlt bei der Binomialverteilung der Binomialkoeffizient, weil nur p^k mal (1−p)^(n−k) getippt wird. Drittens werden „mindestens” und „höchstens” verwechselt: „mindestens 3” heißt 1 minus P(X ≤ 2), nicht 1 minus P(X ≤ 3). Viertens wird bei der Unabhängigkeitsprüfung zu ungenau gerundet, sodass P(A∩B) und P(A) · P(B) fälschlich gleich aussehen, obwohl die Ereignisse eigentlich abhängig sind – rechne hier mit mindestens zwei Nachkommastellen, bevor du vergleichst. Fünftens wird bei einer allgemeinen Zufallsgröße die Bernoulli-Formel angewendet, obwohl gar keine feste Trefferwahrscheinlichkeit mit n gleichen Versuchen vorliegt – prüfe immer zuerst, ob wirklich X ~ B(n; p) gilt. Schreib dir den Ansatz immer erst in Worten hin, bevor du rechnest.
So übst du jetzt sinnvoll weiter
Diese Aufgaben sind ein Anfang, keine vollständige Abi-Vorbereitung. Rechne jeden Aufgabentyp in Varianten, bis der Weg automatisch sitzt – wie du das zeitlich strukturierst, zeigt dir mein Mathe-Lernplan für die Klausur. Die Formeln aus der Übersichtstabelle gehören auf einen kompakten Mathe-Abitur Lernzettel. Und welche Stochastik-Schwerpunkte in deinem Jahrgang vorgegeben sind, findest du bei den Themen und Terminen zum Mathe-Abi NRW 2027. Neben Stochastik ist die Analytische Geometrie im Abitur der zweite große Themenblock, den du für eine gute Punktzahl sicher beherrschen solltest.
Stochastik gemeinsam knacken?
Wenn du beim Hypothesentest oder der Vierfeldertafel allein nicht weiterkommst, rechnen wir die Aufgabentypen im Einzelunterricht so lange durch, bis sie sitzen. Persönlich, online und ohne Zeitdruck.
Kostenloses ErstgesprächFazit: Stochastik Abitur Aufgaben folgen fast immer demselben Muster – Baumdiagramm, Vierfeldertafel (inklusive Unabhängigkeitsprüfung), Binomialverteilung mit μ = n · p und σ = √(n · p · (1 − p)), ein einseitiger Hypothesentest sowie gelegentlich eine allgemeine Zufallsgröße mit eigener Wertetabelle. Wenn du die Aufgaben hier eigenständig und fehlerfrei lösen kannst, bist du für den Stochastik-Teil der Prüfung gut aufgestellt. Hakt es noch irgendwo, geh gezielt zurück in die Erklärartikel und rechne genau diesen Typ noch zweimal – so wird aus Verstehen echtes Können.
Häufige Fragen
Welche Stochastik-Themen kommen im Mathe-Abitur NRW dran?
Im Grundkurs sind das mehrstufige Zufallsexperimente mit Pfadregeln, bedingte Wahrscheinlichkeit mit Vierfeldertafel, die Binomialverteilung mit Erwartungswert und Standardabweichung sowie der einseitige Hypothesentest. Im Leistungskurs kommen unter anderem zweiseitige Tests und die Normalverteilung dazu.
Wie berechne ich P(X = k) bei der Binomialverteilung?
Mit der Bernoulli-Formel `P(X = k) = (n über k) · p^k · (1 − p)^(n − k)`. Dabei ist n die Anzahl der Versuche, p die Trefferwahrscheinlichkeit und k die gesuchte Trefferzahl. Der Binomialkoeffizient (n über k) zählt, auf wie viele Arten sich die k Treffer auf die n Versuche verteilen können.
Was ist der Unterschied zwischen P(A|B) und P(B|A)?
`P(A|B)` ist die Wahrscheinlichkeit von A unter der Bedingung, dass B eingetreten ist – geteilt wird also durch `P(B)`. Bei `P(B|A)` ist es genau umgekehrt. Die beiden Werte sind fast nie gleich. Merkhilfe: Was hinter dem Strich steht, bestimmt die Zeile bzw. Spalte der Vierfeldertafel, durch deren Summe du teilst. Übrigens sind A und B nur dann stochastisch unabhängig, wenn `P(A|B) = P(A)` gilt – gleichwertig `P(A∩B) = P(A) · P(B)`. Weicht das voneinander ab, beeinflussen sich die Ereignisse gegenseitig.
Wie finde ich den Ablehnungsbereich beim einseitigen Hypothesentest?
Beim rechtsseitigen Test suchst du das kleinste k, für das `P(X ≥ k) ≤ α` gilt – gleichwertig: `P(X ≤ k − 1) ≥ 1 − α`. Diesen Wert liest du aus der kumulierten Binomialverteilung ab (Tabelle oder Taschenrechner). Der Ablehnungsbereich ist dann die Menge von k bis n.
Reicht der Taschenrechner für die Stochastik-Aufgaben im Abitur?
Ja. In NRW arbeitest du mit GTR bzw. CAS: binompdf liefert `P(X = k)`, binomcdf liefert `P(X ≤ k)`. Wichtig ist, dass du die Ergebnisse sauber notierst und den Ansatz mit Formel hinschreibst – nur ein Taschenrechner-Ergebnis ohne Rechenweg gibt selten volle Punkte.

